Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

Rede zum Volkstrauertag

Vor der Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in Friedberg-Paar hielt Stadtrat Nießner eine Rede. Hier der Text zum Nachlesen.

Zuerst will ich mich bedanken, dass wir heute die Möglichkeit gefunden haben den Volkstrauertag in angepasstem Rahmen begehen zu können. Hierzu gehört, dass wir hier in der Kirche nach dieser Ansprache das Totengedenken verlesen können und Herr Pfarrer Wieder ein Trauergebet spricht.

Es ist nicht möglich die übliche Veranstaltung am Kriegerdenkmal durchzuführen. Ich werde im Nachgang im Namen der Stadt Friedberg den Kranz im kleinen Kreis mit je einem Vertreter der Vereine und dem Fahnenträger niederlegen. Ich muss Sie bitten sich nicht am Kriegerdenkmal oder im Friedhof zu versammeln und jeder Zeit die Hygieneregel, Abstandsgebot und wo notwendig das Maskengebot zu berücksichtigen. Sie sind herzlich eingeladen, im Nachgang, beim Sonntagspaziergang oder im Laufe der nächsten Tage am Kriegerdenkmal inne zu halten.

Trotz der schwierigen Randbedingungen war es mir und allen Verantwortlichen, mit denen ich mich abgestimmt habe, wichtig, einen geeigneten Rahmen für das Gedenken am heutigen Volkstrauertag zu finden.

„Der Volkstrauertag ist Tag der individuellen und kollektiven Trauer, Kristallisationspunkt der Gedenk- und Erinnerungskultur unseres Landes, Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Der Volkstrauertag findet seit 1950 alljährlich am 2. Sonntag vor dem 1. Advent statt.“ 1 Wir haben uns heute 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs versammelt, um an die Menschen, die im Krieg und durch Gewaltherrschaft starben, zu erinnern. „Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Noch einen Monat zuvor, am 9. April 1945, wurden zahlreiche Widerstandskämpfer hingerichtet. In Flossenbürg, Berlin-Plötzensee, Dachau und andernorts. Es waren Menschen aus allen politischen Gruppen und Schichten des Volkes – Soldaten, Arbeiter, Geistliche, Adlige“1

„Der 8. Mai ist als ein „Tag der Befreiung“ zu werten. Ein Tag der Befreiung war es vor allem für all jene, die vom NS-Terrorregime verfolgt worden waren. Insbesondere für die Insassen der Konzentrationslager, der Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager und der Gefängnisse. Ein Tag der Befreiung war es für die Menschen, deren Länder durch deutsche Truppen besetzt und unterdrückt worden waren und für jene, die Widerstand gegen das Regime geleistet hatten“ 1

Erinnerung darf niemals nur ein Blick zurück sein. Erinnerung ist zugleich der Auftrag an uns alle, Gegenwart und Zukunft friedvoll zu gestalten.

Wir haben in diesem Jahr gesehen, wie Politiker und Staatenlenker mit Populismus, Falschinformation und einfachen Wahrheiten agieren. Mit der Folge, dass Nationalismus stärker wird und die Bereitschaft zur Solidarität und gemeinsamen Lösungen schwindet. Gleichzeitig konnten wir in diesem Jahr erkennen, dass die globale Pandemie des Covid-19 Virus nicht an Nationalstaatsgrenzen haltmacht.

Auch im letzten Jahr waren wieder viele Menschen auf der Flucht, auch wenn in Deutschland nicht viele ankommen. Wir haben es in Europa nicht geschafft die Toten Flüchtlinge im Mittelmeer zu vermeiden und in den Flüchtlingslagern in Griechenland den europäischen Ansprüchen bezüglichen Hilfsbereitschaft und Menschenwürde gerecht zu werden. Die vielen Menschen, die vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat fliehen mussten, vergegenwärtigen uns den Schmerz und das Leid, das Krieg und Diktatur über Menschen bringen. Viele Menschen müssen auch ihre Heimat verlassen, wenn ungerechte Handelsbeziehungen und Ausbeutung die notwendigen Lebensgrundlagen entziehen. In unserem Land geben jüngsten Angriffe auf Synagogen und Fremdenhass Anlass zur Sorge, dass viele aus der Geschichte nichts gelernt haben. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verbreiten sich in sozialen Medien und schüren Gewaltbereitschaft. Damals wie heute sind es neben fehlender Empathie und kleinbürgerlicher Enge auch Geschichtsvergessenheit, die den Nährboden bildet.

Nehmen wir den heutigen Tag des Gedenkens für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, damit wir uns unserer Werte versichern, damit wir solidarisch und in Verantwortung Miteinander und füreinander handeln.

„Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen diese Einsicht weitergeben an jene, auf die es morgen ankommt. Auch deshalb sind wir hier – heute am Volkstrauertag.“1

Hubert Nießner, Stadtrat Friedberg, den 15.11.2020

Quellen:
1

www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/Mediathek/LV_Bayern/Volkstrauertag2020.pdf

 
Zurück