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Die CSU und die Junge Union im Landkreis möchten den gelben Sack oder gelbe Tonne einführen.

Die Hauptargumente sind die Erhöhung der Erfassungsquoten bei Plastikverpackungen und die bequemere Entsorgung. Nach den Bundestagwahlen soll ein Beschluss auf Kreisebene erfolgen. Die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite e.V. (AGLL) und deren Sprecher Josef Metzger sprechen sich nach einer Mitgliederbefragung gegen die geplante Einführung des gelben Sacks/gelben Tonne im Holsystem aus. Der Bund Naturschutz und der Dachverband „Das Bessere Müllkonzept Bayern e.V.“ lehnen dies ebenso ab.

Der Landkreis ist in Sachen Müll seit Jahrzehnten ein Brennpunkt in Bayern. Wegen der Probleme mit der Gallenbacher Haus- und Sondermülldeponie, der Augsburger Müllverbrennung, mit den geplanten Schlackedeponien in Hofhegnenberg, Mandlach, und dem Gumppenberg bei Pöttmes haben sich viele Bürger im Landkreis für ein besseres Müllkonzept engagiert und über einen Bürgerentscheid mehrheitlich für das Wertstoff-Bringsystem gestimmt.

Folgende Argumente sprechen aus Sicht der AGLL gegen den gelben Sack oder die gelbe Tonne:

Landkreise ohne gelbe Tonne jedoch mit Wertstoffsammelstellen (WSST) haben in Bayern ein geringeres Gesamtmüllaufkommen, geringere Kosten und höhere stoffliche Verwertungsquoten, da hier bewusster mit Müll und Wertstoffen umgegangen wird und Abfallvermeidungsstrategien besser wirken. Im Umkehrschluss heißt das: für schlechtere Umweltstandards werden höhere Abfallgebühren notwendig. Obwohl die Sammelquoten von Plastikabfällen bei WSST-Systemen niedriger sind, sind die stofflichen Verwertungsquoten höher. Jedoch ist die Restmüllmenge zur Verbrennung niedriger als bei Landkreisen mit gelber Tonne/gelbem Sack. Genau das gilt auch für Aichach-Friedberg, wie die Zahlen unten im Vergleich mit Stadt und Landkreis Augsburg zeigen. Der Verband der kommunalen Unternehmen geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der aussortierten Kunststoffe in Müllverbrennungsanlagen landen.

Die gelbe Tonne /der gelbe Sack erhöht zwar die Sammelquote der Plastikverpackungen, vermindert aber die Sammelquoten anderer Wertstoffe, da WSST dann weniger angefahren werden. Wertstoffe, die über WSST abgegeben werden sind sauber getrennt, gereinigt und kontrolliert, haben also eine hohe Reinheit und können zu hochwertigen neuen Kunststoffen verarbeitet werden.

Wertstoffe aus der gelben Tonne/dem gelben Sack sind stark verschmutzt, mit hohen Fehlwurfraten, und können, wenn überhaupt, nur zu minderwertigen neuen Kunststoffen verarbeitet werden.

Der gelbe Sack/ die gelbe Tonne dient nur der Auslastung der Müllverbrennung, die die erzeugte Wärme schlecht verwertet und hohe Schadstofffrachten in die Luft und in der Schlacke erzeugt. So werden bis zu dreimal mehr Energie und Ressourcen bei der stofflichen Wiederverwertung eingespart als in der Müllverbrennung genutzt werden kann. Die Studie des Augsburger BIFA Umweltinstituts, erstellt für den Landkreis, zeigt auch, dass die Erfassungsquote bei Plastik lediglich von heute elf auf 13 bis 18 Kilogramm pro Einwohner und Jahr ansteigen kann. Mit der Ausweitung der Biomüll- und Grünguterfassung lassen sich bis zu 30 bis 40 kg mehr Wertstoffe und günstiger erfassen, als die Einführung der gelben Tonne/gelber Sack. Wenn es denn zu dieser Einführung kommt, dann sollten aber nur die Bürger die Mehrkosten tragen, die ihn nutzen. Es kann nicht sein, dass die Bürger, die hochwertige sortenreine Plastikverpackungen anliefern, die Bequemlichkeit der anderen mitfinanzieren.

Das alles wird belegt durch eine Gegenübestellung des bayerischen Umweltministeriums (siehe LINK in der Überschrift)

Josef Metzger, AGLL

Alles für die Tonne?

Josef Metzger, Constanze Freifrau Tucher von Simmelsdorf

 

 

Auf Einladung des ÖDP Kreisverbands referierte Josef Metzger von der Bürgeraktion „Das bessere Müllkonzept Bayern e. V.“ im Gasthof Specht in Aichach. Kreisvorsitzende Constanze Frfr. Tucher von Simmelsdorf konnte unter anderem die beiden Kreisräte Berta Arzberger und Josef Moll sowie den Friedberger Stadtrat Hubert Nießner begrüßen.

Josef Metzger zeigte an Beispielen auf, wie bürgerschaftliches Engagement positiven Einfluss nehmen konnte. So konnte, als 1993 die Müllverbrennungsanlage in Augsburg in Betrieb ging, ein Bündnis aus Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite, BUND, Mütter gegen Atomkraft, Ärzte gegen MVA, Robin Wood, Greenpeace, ÖDP und GRÜNE eine Sortier- und Kompostieranlage und eine 5-stufige anstelle der 3-stufigen Rauchgasreinigung mit strengeren Grenzwerten durchsetzen. Alle geplanten Standorte für die Endlagerung der hochgiftigen Schlacke (Verbrennungsrückstände) im Landkreis AIC-FDB konnten verhindert werden, stattdessen wird die Schlacke in Heilbronn in alte Bergwerke eingebaut. Wegen der Einführung der Wertstoffsammlung, der Förderung von Eigenkompostierung und Konzepten zur Müllvermeidung wurden nur vier der geplanten 15 bay. Müllverbrennungsanlagen gebaut. 2013 konnte die Verschwendung von Wärmeenergie bei der Müllverbrennung reduziert werden, indem mehr Wärme von den Stadtwerken genutzt werden kann.

Eindeutig sprach sich der Referent für die Beibehaltung des „Bringsystems“ bei Wertstoffen aus, auch das neue Verpackungsgesetz lässt das Wertstoffsammelsystem weiter zu. Dafür würde der wesentlich höhere Anteil an stofflicher Wiederverwertbarkeit sprechen und die Einnahmen von 370 000 Euro aus dem Dualen System. Bei Holsystemen sei die Qualität der Wertstoffe meist zu schlecht, um sie der Wiederverwertung zuzuführen. So würde ein Großteil des Mülls verbrannt werden müssen, anstatt die wertvollen Ressourcen wieder zu recyceln. Der Landkreis Aichach-Friedberg hat sogar eine höhere Verwertungsquote als die Stadt Augsburg mit gelber Tonne und geringere Pro-Kopf-Mengen zur Verbrennung.

Durch eine bessere Grünguterfassung und Produktion von speicherbarem Biogas, so Josef Metzger,  könnte der Landkreis seine Verwertungsquote stärker und günstiger verbessern, als mit der Einführung des gelben Sacks/gelbe Tonne. Der beste Weg allerdings sei die Abfallvermeidung durch bewussteres Konsumverhalten. Durch viele Beispiele wurde aufgezeigt, dass sich Bürgerprotest und das Aufzeigen von Alternativen lohnen.